CachyOS: Spaß mit Risiko

Warum Rolling‑Release‑Linux nicht das ist, was viele Windows‑Umsteiger erwarten – Ein Blick auf CachyOS & Co.

Viele Windows‑Nutzer entdecken Linux über YouTube, Reddit oder TikTok – und landen schnell bei Arch‑basierten Distributionen wie CachyOS, weil sie dort lesen:

• „super schnell“
• „super modern“
• „perfekt für Gaming“
• „einfacher als Arch“
• „läuft immer mit den neuesten Paketen“

Das klingt verlockend. Doch wer von Windows kommt, bringt oft Erwartungen mit, die nicht zu einem echten Rolling Release passen. Dieser Artikel soll keine Angst machen – aber er soll ehrlich sein.

Rolling Release ist KEIN „Windows, aber besser“.

Viele Umsteiger denken das. Die Realität sieht leider anders aus:

• Rolling Release bedeutet kontinuierliche Veränderung
• Pakete werden sofort ausgeliefert
• es gibt keine stabilen Versionen
• es gibt keine Freeze‑Phasen
• es gibt keine garantierte Kompatibilität

Ein Rolling‑Release‑System ist immer in Bewegung. Das ist ein Feature – aber auch eine Verantwortung. Updates können jederzeit etwas kaputt machen. Das ist kein Fehler. Das ist das Modell. Beispiele aus der Praxis:

• Mesa‑Update → Spiele starten nicht mehr
• Kernel‑Update → NVIDIA bricht
• Plasma‑Update → Extensions kaputt
• PipeWire‑Update → Audio weg
• Systemd‑Update → Boot‑Probleme
• LLVM‑Update → Wine/Proton bricht
• Python‑Update → Tools funktionieren nicht mehr

CachyOS ist Arch – nur mit Komfortschicht

CachyOS bringt viele Vorteile:

• optimierte Kernel
• bessere Defaults
• vorkonfigurierte Performance‑Tweaks
• GUI‑Installer
• Gaming‑Optimierungen

Aber: Es bleibt ein echtes Rolling Release. Es hat dieselben Update‑Eigenheiten wie Arch. Es ist nicht „installieren und vergessen“. Wer das nicht versteht, wird früher oder später frustriert sein.

AUR: mächtig, aber kein App Store

Viele Windows‑Umsteiger installieren begeistert:

• Discord
• Chrome
• Proton‑GE
• Game‑Tools
• Themes
• System‑Tweaks

…alles aus dem AUR.

Was sie oft nicht wissen:

• AUR‑Pakete werden nicht offiziell geprüft
• jeder kann PKGBUILDs hochladen
• Skripte können alles tun, was du erlaubst
• Updates können jederzeit brechen

Das AUR ist ein Werkzeug – kein sicherer App Store.

Rolling Release erfordert Eigenverantwortung


Ein Rolling‑Release‑System verlangt:

• regelmäßige Updates
• Lesen der Update‑News
• Verständnis für Abhängigkeiten
• Fähigkeit, Probleme zu lösen
• Bereitschaft zu Downgrades
• Umgang mit Snapshots (Btrfs, Timeshift, Snapper)

Viele Windows‑Umsteiger sind darauf nicht vorbereitet – und das ist niemandes Schuld. Es ist einfach ein anderes Ökosystem.

Warum Rolling Release trotzdem großartig ist


Damit es fair bleibt: Rolling Release hat echte Stärken.

• neueste Kernel
• neueste Mesa
• neueste Treiber
• neueste Desktop‑Umgebungen
• neueste Wine/Proton‑Versionen
• ideal für Gamer
• ideal für Entwickler
• ideal für Enthusiasten

Aber es ist ein System für Menschen, die mitdenken wollen, nicht für Menschen, die „einfach nur zocken“ wollen.

Meine Empfehlung für Windows‑Umsteiger

CachyOS ist ein fantastisches System – aber es ist kein „Windows‑Ersatz für Anfänger“. Es ist ein Arch‑System für Power‑User, die die Vorteile eines Rolling Releases wollen und die Eigenheiten akzeptieren. Wer das versteht, wird mit CachyOS glücklich. Wer das nicht weiß, erlebt früher oder später eine böse Überraschung.