Wahrheiten aus dem Alltag, nicht aus Testberichten
Nichts ist so repräsentativ wie eigene Erfahrungen. Testreihen über Tage oder Wochen sind nett, aber die Realität zeigt sich erst im langjährigen Alltag. Viele Probleme bleiben oft unentdeckt, weil sie in Labortests nicht auftreten oder nicht dokumentiert werden.
1 Tag im Bazzite-Universum
Ich habe Bazzite damals nur einen Tag getestet. Schnell zeigte sich, dass mein Drucker mit speziellen Treibern nicht nutzbar war – auf einem Immutable-System fühlte sich das zunächst wie eine Sackgasse an, –> was sich aber später ändern sollte. Für reines Gaming ist Bazzite zwar solide, für mich persönlich war es vorerst keine Option.
Sechs Monate Kubuntu STS
Als Daily Driver erwies sich Kubuntu 25.04 STS als stabil, zuverlässig und angenehm. Es gab kaum Probleme, was fast schon verdächtig ist.
Stolpersteine:
- Ein einmaliger Steam-Startfehler, der sich schnell erledigte.
- WoW musste auf die interne NVMe kopiert werden, externe Laufwerke bereiteten Lutris Probleme – aber das ist bei mehreren Distros ähnlich.
Positiv:
- Keine Abstürze oder Kernel-Panics.
- Sehr schöne KDE Plasma-Oberfläche mit viel Anpassbarkeit.
- Hardware funktionierte auf Anhieb, auch mein Epson-Drucker.
- Großes Software-Angebot über Pakete, Snap, Flatpak.
Fazit:
Ein zuverlässiger Freund im Alltag, der einfach funktioniert – und das ist oft das Wichtigste.
Nobara 42 im Schnelltest
Schnelle Installation, aber War Thunder stürzte mehrmals ab, was den Test nach wenigen Tagen beenden ließ. Nobara bringt coole Gaming-Features mit, ist aber in der Praxis instabiler als Kubuntu. FPS-Unterschiede waren minimal, daher die Rückkehr zu Kubuntu.
Fedora KDE
Stabil und unaufgeregt – Fedora liefert, was man erwartet. Die KDE-Variante wirkt sauber und durchdacht, ohne unnötigen Ballast. Allerdings ließ sich Steam nur über die Kommandozeile starten, was zunächst irritierend war. Hilfreiche Tutorials dazu waren rar, und die Lösung musste ich mir mühsam zusammensuchen. Die Flatpak-Version von Steam umging dieses Problem zwar, brachte jedoch neue Herausforderungen mit sich: Meine externe NVMe wurde nicht korrekt eingebunden. Erst durch eine manuelle Verlinkung konnte ich das Problem beheben. Da ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin auf Entdeckungsreise war und verschiedene Systeme testen wollte, zog ich weiter – mit dem Gefühl, dass Fedora durchaus Potenzial hat, aber noch nicht ganz zu meinem Workflow passt.
CachyOS – Die unerwartete Liebe zum Arch-Derivat
Ich habe Arch immer abgelehnt – aus Prinzip. Doch durch einen Zufall landete CachyOS auf meinem Hauptlaufwerk. Überraschenderweise lief es einige Wochen stabil, schnell und flüssig.
Highlights:
- Turbo-Kernel, AMD Anti Lag 2, optimierte Repos für bis zu 20% mehr Leistung.
- Keine nervigen Vorinstallationen, alles kann, nichts muss.
- Die Hello-App erleichtert die Einrichtung enorm.
Nachteile:
- Häufige Updates (Rolling Release).
- Das nagende Gefühl der Unsicherheit bleibt: „Was, wenn das System morgen nicht mehr bootet?“
Fazit:
CachyOS ist ein Arch, das sich anfühlt wie ein stabiler Fels – mit Turbo-Boost. Es fordert, belohnt aber mit großartiger Performance.
Trotz aller Begeisterung für CachyOS spüre ich aber auch ein tiefes Bauchgefühl, das mich möglicherweise doch wieder in Richtung Fedora zieht – wegen der etwas konservativeren, aber dennoch aktuellen und stabilen Basis. Alternativ spiele ich mit dem Gedanken, ein zweites Linux als Backup auf einer weiteren SSD zu installieren, etwa Debian oder Kubuntu LTS, das lange ohne Updates auskommt und einfach als verlässliche Notfall-Umgebung bereitsteht. So habe ich im Worst-Case immer eine stabile Rettungsinsel an Bord.
Die ersten Fragen kamen inzwischen bezüglich Tumbleweed (openSUSE). Auch das ist eine Rolling-Release-Version, die zwar, anders als bei CachyOS oder Arch, ihre Updates überprüft, aber am Ende ist es für mich dennoch nur eine weitere Rolling Release. Solche Systeme bringen zwar regelmäßig neue Features, aber das kann auch bedeuten, dass man öfter mit kleineren Bugs oder Inkompatibilitäten konfrontiert wird. Für mich ist das einfach zu riskant, besonders im Alltag. Ich bevorzuge daher Distributionen wie Fedora oder, mit kleinen Abstrichen, Kubuntu, die regelmäßig aktualisiert werden, aber dennoch eine höhere Stabilität bieten, weil Updates gründlicher getestet werden, bevor sie ausgerollt werden.
Nach ein paar Wochen mit CachyOS ist dann doch das erste kleine Problem aufgetaucht. Ganz unspektakulär hab ich beim Zocken gemerkt, dass in einem Steam-Spiel „Strg + V“ einfach nicht mehr ging.
Super – also das 26-stellige Passwort für unseren dedizierten Server schön brav von Hand eintippen. 😅
Update: Dieser Fehler ist mittlerweile bekannt und tritt bei vielen Linux-Distributionen auf, bei denen KDE und Wayland zusammenarbeiten. Der Workaround ist so einfach, dass ich mich frage, warum ich Wochen nach einer Lösung gesucht habe: Entweder X11 statt Wayland verwenden oder – wenn X11 wie bei mir ein No-Go ist – bei den betroffenen Steam-Spielen (Icarus, SotF, The Forest) als Startbefehl Folgendes einsetzen: GDK_BACKEND=wayland %command%
Da ich außerhalb dieses Guides immer wieder Testreihen fahre, kann ich mittlerweile behaupten, dass nur wenige Distributionen für den täglichen Gebrauch übrig bleiben. Allerdings liegt das auch an meinen eigenen Ansprüchen – und die sind nicht gerade kleinlich. Aber der Kreis der Kandidaten wird immer kleiner, und ich frage mich langsam, ob ich den richtigen Weg gehe oder meine Ansprüche ein wenig anpassen sollte.
- CachyOS: Rolling Release – hier will ich eigentlich weg.
- Nobara: Fast gelungen, aber wiederkehrende Probleme mit War Thunder und die „1-Mann-Politik“ hinter dieser Distribution schreckten mich ein wenig ab.
- Fedora: Probleme mit Steam, die ich auf meinen Seiten bereits beschrieben habe, machten es für mich damals uninteressant —> hier setze ich später noch einmal an.
- Bazzite: Immunitable, aber ansonsten sehr gelungen. Hier werde ich auf jeden Fall auch noch einmal ansetzen.
- Kubuntu STS: Hier war alles top. Trotz STS keine Probleme. Allerdings hätte ich es gerne etwas moderner, was mich zum Wechsel bewegt hat.
Was könnte aus meiner Sicht noch in Erwägung gezogen werden?
- EndeavourOS (Rolling Release)
- openSUSE Tumbleweed (Rolling Release)
Hier werde ich demnächst entscheiden, wie bzw. ob es es weitergeht. Es steht nun erneut Bazzite auf dem Plan. Ich sollte mich langsam mal mit „Immunitable“ anfreunden.
Und eine maximal performte „Kubuntu STS“ – Version werde ich mir zusammenbauen. Frei nach der Devise: „Pimp my Linux“
Bazzite – Zweiter Anlauf
Dies ist nun mein zweiter Versuch mit Bazzite. Beim ersten Test habe ich nach nur einem Tag aufgegeben – hauptsächlich, weil ich meinen Drucker nicht zum Laufen bringen konnte. Normalerweise gebe ich nicht so schnell auf, aber andere vielversprechende Distributionen warteten – von denen mich später allerdings einige enttäuschten.
Jetzt ist es soweit: Bazzite – ich beginne, ein Immutable-System zu schätzen.
Alle Anwendungen, die ich benötige, finde ich als Flatpak. Das ist die größte Umstellung: Programme nicht mehr nativ zu installieren. Doch ich gewöhne mich relativ schnell daran. Bisher funktioniert alles problemlos – keine Abstürze, keine unerwarteten Fehler. Einziger Unterschied: Die Ladezeiten der Programme sind minimal länger. Das fällt mir auf, weil ich von CachyOS komme, wo „langsam“ ein Fremdwort ist. Interessanterweise stört mich das nicht. Zu wissen, dass im Hintergrund ein robustes System arbeitet, bei dem es nahezu unmöglich ist, durch einen Fehler das System zu zerstören, wirkt beruhigend.
Gaming läuft sehr gut. Ich habe Proton-GE nachinstalliert – keinerlei Probleme. Webanwendungen, Streaming, Apps – alles funktioniert reibungslos. Aktuell bin ich erst an Tag 3 mit Bazzite, daher werde ich im Laufe der Zeit beobachten, ob noch Probleme auftreten. CachyOS lief bei mir mehrere Wochen fehlerfrei, daher bin ich gespannt, wie sich Bazzite im Vergleich schlägt.
Mittlerweile bin ich bei Tag 10 angekommen. Das System läuft weiterhin zuverlässig.
Allerdings stört mich zunehmend der Ansatz des Immutable-Systems. Ich bin ein Macher – jedenfalls halte ich mich dafür – und habe das Gefühl, in meinem Tun immer wieder eingeschränkt zu werden.
Tag 17: Unaufregend – wie erwartet. Bazzite läuft stabil und verrichtet seinen Dienst ohne Murren. Alles Notwendige funktioniert reibungslos, ohne Einschränkungen oder nennenswerte Auffälligkeiten. Genau das, was man sich von einem System wünscht – zumindest auf dem Papier. Allerdings bringt mich das Immutable-Konzept zunehmend an meine Grenzen. Es fühlt sich an, als würde mir das System ständig sagen: „Fass mich nicht an.“ Und das widerspricht meinem Bedürfnis, Dinge auszuprobieren, zu optimieren, zu verändern. Vielleicht ist Bazzite in ein paar Jahren genau mein Ding – wenn ich keine Lust mehr auf Bastelei habe und einfach nur ein funktionierendes System will. Aber im Moment bremst es mich eher aus, als dass es mich inspiriert. Es steht meiner kreativen Neugier im Weg – und das ist etwas, mit dem ich mich gerade nur schwer arrangieren kann.
Fedora – Ein weiterer Versuch:
Tag 1: Fedora 43 installiert, eingerichtet und diesmal Steam als Flatpak installiert. Alles läuft zuverlässig – also: Systemtuning angesagt!
Ich habe das System so optimiert, dass es annähernd die Funktionen von Bazzite bietet – inklusive kleiner Kernel-Optimierungen und aller Anwendungen, wie im Guide „Fedora-Tuning“ beschrieben. Und es ist sensationell. Eine wirklich gute Entscheidung! Jetzt warte ich eigentlich nur darauf, dass Fehler auftreten.
Nobara – Ein weiterer Versuch
Und diesmal scheint es zu passen. Da ich das System erst seit kurzer Zeit wieder verwende, möchte ich nicht zu euphorisch klingen – aber es fühlt sich bisher richtig gut an. Ich kann deutlich merken, dass die letzten Monate der Entwicklung diesem System gut getan haben. Derzeit teste ich Nobara intensiv, und es sieht bislang vielversprechend aus. Die Verbesserungen, die ich sehe, sind ermutigend, aber ich bleibe mit meinen Aussagen trotzdem vorsichtig, bis ich noch mehr Erfahrungen damit sammeln konnte.